Géraldine Eliasson: Schule & Berufswelt 2040 aus Sicht einer Lehrperson

Berufe gemeinsam erkunden!
Ich unterrichte auf der Sekundarstufe I und begleite meine Schülerinnen und Schüler von der siebten bis zur neunten Klasse bei der beruflichen Orientierung. Als Klassenlehrperson bin ich für einen Schulzweig zuständig, bei dem es um Grundanforderungen geht und bei dem der erfolgreiche Übergang in die berufliche Bildung zentral ist. In meinem Konzept der beruflichen Orientierung setze ich in der achten Klasse ein dreiphasiges Modell der Berufserkundung ein, bei dem die ganze Klasse in verschiedene „Berufswelten“ hineinschaut. Die erste Phase ist die Erkundungswoche im Herbst, bei der niederschwellig während einer Woche zwei bis drei verschiedene Betriebe aufgesucht werden. Dem folgt im Frühjahr die Vertiefungswoche, in der die Interessen und Perspektiven der Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf Interessen und Eignungen eingegrenzt werden: Welcher Betrieb und welcher Beruf haben mir gefallen? Was genau entspricht meinen Stärken? Wo kann ich mir vorstellen, selbst einmal tätig zu sein?
Zu Schuljahresende der achten Klasse wird dieser Prozess mit der Festigungswoche abgeschlossen, und gegenwärtig kann ich mich in der neunten Klasse darüber freuen, dass alle meine Schülerinnen und Schüler eine Lehrstelle gefunden haben. Individuelle Schnupperlehren können diesen Prozess unterstützen, mir ist aber wichtig, dass die ganze Klasse in den Rhythmus von Erkundungs-, Vertiefungs- und Festigungswoche einbezogen ist. Die Organisation ist anspruchsvoll und verlangt viel pädagogische Beziehungsarbeit in der Schule und Kontaktarbeit nach aussen, aber die Erfolge bei der Lehrstellenfindung sind eine wunderbare Bestätigung. Dabei ist zu betonen, dass es sich bei diesem Erfolg nicht um kurzlebiges Phänomen handelt: Ich mache das seit vielen Jahren und freue mich sehr darüber, dass viele Jugendliche ihren beruflichen Weg bei uns an der Schule gefunden haben. Eine „Eintagsfliege“ ist das auch deshalb nicht, weil unzählige andere Lehrpersonen in der Schweiz ähnliche Arbeit leisten und ähnliche Erfolge vorweisen können.
Wir tun keine Wunderdinge, aber wir setzen uns mit Herzblut für die Zukunft ein. Als Lehrpersonen müssen wir leider bei der Organisation des Schulalltags und der Berufserkundung manchmal die Gestaltungsspielräume etwas strapazieren. Eine gute Zusammenarbeit innerhalb der Schule und eine engagierte Schulleitung können aber wichtige Beiträge dazu sein, dass die Belastungen nicht überhandnehmen.
Für die Zukunft wäre noch darüber nachzudenken, ob wir das Thema „berufliche Orientierung“ im Studium noch etwas ausbauen könnten. Die Betreuung von PH-Studierenden bereitet mir grosse Freude, und ich blicke zuversichtlich in die Zukunft unseres Berufs. Ich bin überzeugt, dass der eine oder andere Akzent im Studium dazu beitragen kann, die pädagogische Begleitung von Jugendlichen auf dem Weg in die Berufswelt zu erleichtern.
Géraldine Eliasson unterrichtet seit 22 Jahren auf der Sekundarstufe I, aktuell eine Realklasse an der Schule Neuenhof im Kanton Aargau.